Keltiberer


Keltiberer
Kelt|ibe|rer 〈m. 3Angehöriger einer aus Iberern u. Kelten gemischten Völkergruppe in Nordspanien

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Kelt|ibe|rer, der:
Angehöriger eines durch die Vermischung von Kelten u. Iberern in Spanien entstandenen Volks.

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Kelt|iberer,
 
lateinisch Celtiberi, nach traditioneller Auffassung Mischbevölkerung aus Kelten und Iberern auf der Iberischen Halbinsel; wahrscheinlich jedoch zunächst Bezeichnung aller dort eingewanderten keltischen Stämme, später nur noch Name der Ebrokelten. Keltische Stämme drangen seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. in mehreren Wellen auf die Iberische Halbinsel vor. Deren gesamte Nordhälfte weist im 5. Jahrhundert v. Chr. Beziehungen zur späten Hallstatt- beziehungsweise zur frühen La-Tène-Kultur Mitteleuropas auf (Fibeln, Waffen, Trachtbestandteile). Archäologisch ist damit auch für Katalonien, das nach Ausweis der historischen und linguistischen Quellen überwiegend von Iberern besiedelt war, eine Einwanderung von Kelten wahrscheinlich, die aber wohl rasch assimiliert wurden. Im 4. Jahrhundert erfolgte offenbar ein Zustrom aus dem keltischen Siedlungsgebieten in Ostfrankreich-Schweiz-Oberitalien, der nun erstmals auch den iberischen Südosten erreichte. Eine letzte Einwanderungswelle gelangte aus Südfrankreich nach Katalonien, historisch bei Diodor belegt.
 
Die keltiberische Kultur ist geprägt von einer Mischung keltischer Elemente, die v. a. in Tracht und Bewaffnung erhalten blieben, mit lokal entwickelten Formen (Keramik) und Verhaltensweisen (Siedlungsart, Totenbrauchtum). Am deutlichsten blieb der keltische Einfluss bis in die Zeit der römischen Eroberung (3./2. Jahrhundert v. Chr.) einerseits in Nordwestspanien, andererseits im Nordosten des spanischen Hochlandes zwischen dem Oberlauf des Ebro und dem Unterlauf des Turia erkennbar. Hier lassen sich einige historisch bekannte Stämme archäologisch erfassen, so die Kallaiker in Galicien, die Arevaker mit der Hauptstadt Numantia (heutige Provinz Soria) sowie die Autrigonen am oberen Ebro.
 
Die keltiberische Sprache, eine archaische festlandkeltische Sprache, ist durch Inschriften, Münzlegenden, Ortsnamen und iberoromanisch oder baskisch bezeugtes Wortmaterial überliefert. Eine auf die letzten vorchristlichen Jahrhunderte zu datierende Gruppe von Inschriften (darunter die Bronzetafeln von Luzaga, Provinz Guadalajara, und Botorrita, Provinz Saragossa) ist in iberischer Schrift, die nachchristlichen Felsinschriften aus Peñalba de Villastar (Provinz Teruel) sind in lateinischer Schrift geschrieben. Zu den archaischen grammatischen Merkmalen des Keltiberischen gehören u. a. die Erhaltung alter Kasusbildungen und Konjunktionen, Gebrauch des flektierten Relativpronomens und aus der indogermanischen Grundsprache übernommene Wortstellung. Phonologisch ist die Sprache durch Bewahrung des indogermanischen Labiovelars kw (statt jüngerem k oder p) und die Wiedergabe der sonantischen Nasale durch am und an (m̥bhi > ambi) charakterisiert.
 
 
U. Schmoll: Die Sprachen der vorkelt. Indogermanen Hispaniens u. das Keltiberische (1959);
 A. Tovar: The ancient languages of Spain and Portugal (New York 1961);
 J. Untermann: Monumenta linguarum Hispanicarum, 2 Bde. in 3 Tlen. (1975-80);
 J. Untermann: in: Aufstieg u. Niedergang der röm. Welt, hg. v. H. Temporini u. a., Bd. 29, Teilbd. 2 (1983).
 

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Kelt|ibe|rer, der: Angehöriger eines durch die Vermischung von Kelten u. Iberern in Spanien entstandenen Volks.

Universal-Lexikon. 2012.

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